Archiv für 'edibles and drinkables'Kategorie

nach dem verlorenen land

April 15, 2007

triptychon zu einer heimreise

dass leute doof sind, setz ich als bekannt voraus

hin

das panoptikum einer zugreise durch den wilden osten: die konsequent duzende schaffnerin, obwohl die frage, ob man noch unter 27 sei, mit nein beantwortet wurde – ehrlicherweise. die drei generationen friseurunfall; großmutter, mutter und tochter mit dem berühmten „peppigen pony“, eingefärbt in rot und platinblond gesträhnt. der mann mit den knasttätowierten liebeserklärungen auf dem arm, in krakelschrift, die nicht auf einen häufigen umgang mit dem geschriebenen wort schließen läßt. die unvermeidlichen hippiepaare, ungewaschen, sich gegenseitig lausend. eine reise mit dem elendsexpress ms mitfahrgelegenheit ist ein scheißdreck dagegen. ab jetzt wird ice gefahren. oh, sweet bird of festanstellung.

ich werd mich nie verändern, ich werd immer derselbe sein

dort

mensch linda, nimm doch mal die kapuze ab, man erkennt dich ja garnicht. hoppala! beim versuch, auch den bruder anzutreffen, versehentlich auf einem junggesellenabschied gelandet. die frivolen aufgaben, die dem husband-to-be auferlegt wurden, sind von bestechend putziger harmlosigkeit: ein kondom von einer fremden frau besorgen, einer blondine geklaute blumen schenken, das besorgen eines tangaslips ist der obszöne höhepunkt.

freunde des bruders und des bräutigams sind völlig konsterniert ob meiner anwesenheit: „können die weiber jetzt endlich abhauen, damit wir wieder die sau rauslassen können?“ gleichberechtigungsgirl fühlt sich natürlich genötigt, den frager zu hinterfragen; warum er denn in anwesenheit eines mädchens sich nicht aufführen könne wie drecksau, was das denn über seine sogenannte männlichkeit aussage. wird aber in gin tonic ertränkt, die frage.

der bruder ist recht froh über die anwesenheit der damen. er hat seine liebe not mit den alten freunden, die nicht nur älter, sondern vor allem kein stücken anders geworden sind. ich bin ein bißchen entsetzt über die feststellung des bräutigams, ich hätte mich mich seit dem letzten zusammentreffen – der meisterfeier für bayern 2001, in der einen kneipe, wo man hingehen mag, in unterhosen und mit tränen – überhaupt nicht verändert. bis mir klar wird, dass das seine verquere art ist, mir ein kompliment zu machen.

die frage, die am ende bleibt, ist die, warum man eigentlich heiratet, wenn man das gefühl hat, danach sei alles vorbei.

gottseidank haben wir beide uns gehabt

zurück

was für ein unermessliches scheißgefühl das sein kann, in eine stadt einzufahren, mit dem zug, in der eine frühere liebe gewohnt hat. mistige kopfbahnhöfe, in die man immer gleich einfährt, egal woher man kommt.

du siehst den strahlenden frühlingstag draußen vor dem fenster und erinnerst dich an andere frühlingstage, die du hier verbracht hast. erinnerst dich an das schwindende glücklicksein. an diesen traurigsten tag, an dem du hals über kopf wieder wegfahren musstest, weil dir in der nacht zuvor diese entscheidenen frage gestellt wurde: liebst du mich eigentlich noch? und die einzige antwort, die nicht allesvernichtend war, die dir einfiel, war: ich weiß es nicht.

das ist alles her. ein jahr in zeit gemessen, eine kindheit in entwicklung gemessen. ein dicker kloß im hals, eine träne im augenwinkel. obwohl, obwohl, obwohl. obwohl es eine neue liebe gibt. obwohl ihr es geschafft habt, freunde zu sein. obwohl es eine gute entscheidung war. slightly verkatert; wie immer gefühlsverstärker nummer eins.

another weekend without make-up

April 8, 2007

weil: schon am donnerstag, der hier schon, aber offiziell nicht zum wochenende gehört, so selbstzerstört, dass ich am freitag zwar noch ausgehen konnte, aber nicht einmal mehr wimperntusche auflegen. anyerlina (oder wie man sie auch immer schreiben mag, aka caschuaal) hätte mich sicherlich sehr dafür geschimpft.

außerdem habe ich gemerkt, dass das fortschreitende alter seinen tribut zollt. in form von genau einer stunde mehr kater. ich konnte mich eigentlich immer darauf verlassen, dass es mir um schlag achtzehn uhr wieder gut geht. mittlerweile, das hat eine empirische studie vom wochenende gezeigt, dauert das bis neunzehn uhr.

ein anhörtipp: perrecy, der bayrische morrissey, der aufs allerschönste mit seiner ukulele schmidts-songs covert.

cunts are still running the world

März 29, 2007

der heutige tag war ein erneuter beweis dafür, dass meine misanthropie in direkt proportionalem zusammenhang zu meinem ausgehverhalten steht. 10 minuten in der ubahn reichten heute mittag aus, mich davon zu überzeugen, dass ich eigentlich fast alle menschen hasse. interessant wäre die frage, ob ich, wenn ich immer ausgeschlafen und unverkatert wäre, ein sehr viel netterer mensch wäre. geduldiger mit dummheit und hässlichkeit? vielleicht. vermutlich aber auch nicht.

jetzt bin ich ein müdes mädchen. gute nacht.

maybe somebody can tell us where all the liquor went

März 28, 2007

flatrate-trinken, also. täglich neue schlagzeilen von 14jährigen, die sich ins koma gesoffen haben, von dächern gesprungen sind oder sonst irgend etwas dummes getan haben, als sie sehr betrunken waren. politiker jeglicher couleur, das boulevard-fernsehen, aufgebrachte kleinbürger, jeder hat etwas dazu zu sagen. als ob das problem das vorhandensein von flatrate-parties wäre oder von, wie zuletzt angeprangert, alkopops. hat von denen eigentlich je wieder etwas gehört, außer wenn sie im spätkauf an der ecke von weiblichen angehörigen der unterschicht gekauft werden?

an sich ist flatrate-trinken doch ein altbekanntes konzept. man nennt es auch privatparty. oder after-show-party. oder alles andere, bei dem alkohol zu nicht-clubpreisen erhältlich ist. ich und alle meine freunde haben sicherlich schon das eine oder andere mal mehr getrunken als man vernünftigerweise tun sollte. und auch blödsinn gemacht. ziemlich großen blödsinn sogar. jeder hat eine geschichte wie „als meine nachbarin auf der geburtstagsparty meiner schwester dem pfarrer vor die tür gekotzt hat“ auf lager. ins koma hat es meines wissens aber noch niemand geschafft.

anstatt sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, was bestimmte kinder dazu treibt, sich durch den über-übermäßigen konsum von alkohol aus der realität zu katapultieren, wird das symptom zum gärtner gemacht und laut nach gesetzlichen regelungen geschrien. aber ist es die aufgabe des staates, dafür zu sorgen, dass minderjährige sich nicht fast umbringen? sollten sie nicht viel mehr von ihren eltern genügend verstand und selbstsicherheit beigebracht bekommen, dass es garnicht erst soweit kommt?

statt dessen könnte man trink-flatrates aber auch erst ab 27 anbieten, bis dahin hat zumindest auch der vorletzte kapiert, wieviel er in sich reinschütten kann, ohne ins krankenhaus zu müssen. und es würde mädchen meines alters unfassbare vorteile im kampf um die 23jährigen jungs verschaffen. „willst du mal von meiner flatrate trinken?“ macht sich viel besser als „hast du mal feuer?“ und wäre in verbindung mit dem flatrate-taxi ein sehr schöne sache.

die junge frau dahinten mit dem pinken schal ist das letzte

März 22, 2007

eine hübsche supermarktbegegnung gestern: zwei ältere, etwas wirre damen, die ständig sämtliche gänge mit ihrem einkaufswagen blockierten. ich laufe an dame nummer eins vorbei, da murmelt sie nach betrachtung meines wageninhalts in sich hinein: ah, hier haben wir wohl einen gourmet. im wagen befanden sich: lauchzwiebeln, kartoffeln, ein becher sahne und katzenfutter. ich luxuskuh!

gestern abend war dann der ungarische propagandaminister für komplettenthaarung bei mädchen, unterabteilung macht es mit wachs, bei mir zu gast. und fand in meiner momentanen mitbewohnerin eine neue abnehmerin für seinen vortrag über die spanischen mädchen, die es eben mit wachs machen. zitat: vielleicht nehmen sie den kurzen schmerz für die lang andauernde freude in kauf. es war schön anzusehen, wie biggie, wie alle anderen, die diesen vortrag schon zu hören bekamen, erstmal instinktiv die beine überschlug.

der rest des abends bestand dann aus rotwein trinken, kiffen und kichern. kann man auch mal machen. fand ich heute morgen nicht mehr.