triptychon zu einer heimreise
dass leute doof sind, setz ich als bekannt voraus
hin
das panoptikum einer zugreise durch den wilden osten: die konsequent duzende schaffnerin, obwohl die frage, ob man noch unter 27 sei, mit nein beantwortet wurde – ehrlicherweise. die drei generationen friseurunfall; großmutter, mutter und tochter mit dem berühmten „peppigen pony“, eingefärbt in rot und platinblond gesträhnt. der mann mit den knasttätowierten liebeserklärungen auf dem arm, in krakelschrift, die nicht auf einen häufigen umgang mit dem geschriebenen wort schließen läßt. die unvermeidlichen hippiepaare, ungewaschen, sich gegenseitig lausend. eine reise mit dem elendsexpress ms mitfahrgelegenheit ist ein scheißdreck dagegen. ab jetzt wird ice gefahren. oh, sweet bird of festanstellung.
ich werd mich nie verändern, ich werd immer derselbe sein
dort
mensch linda, nimm doch mal die kapuze ab, man erkennt dich ja garnicht. hoppala! beim versuch, auch den bruder anzutreffen, versehentlich auf einem junggesellenabschied gelandet. die frivolen aufgaben, die dem husband-to-be auferlegt wurden, sind von bestechend putziger harmlosigkeit: ein kondom von einer fremden frau besorgen, einer blondine geklaute blumen schenken, das besorgen eines tangaslips ist der obszöne höhepunkt.
freunde des bruders und des bräutigams sind völlig konsterniert ob meiner anwesenheit: „können die weiber jetzt endlich abhauen, damit wir wieder die sau rauslassen können?“ gleichberechtigungsgirl fühlt sich natürlich genötigt, den frager zu hinterfragen; warum er denn in anwesenheit eines mädchens sich nicht aufführen könne wie drecksau, was das denn über seine sogenannte männlichkeit aussage. wird aber in gin tonic ertränkt, die frage.
der bruder ist recht froh über die anwesenheit der damen. er hat seine liebe not mit den alten freunden, die nicht nur älter, sondern vor allem kein stücken anders geworden sind. ich bin ein bißchen entsetzt über die feststellung des bräutigams, ich hätte mich mich seit dem letzten zusammentreffen – der meisterfeier für bayern 2001, in der einen kneipe, wo man hingehen mag, in unterhosen und mit tränen – überhaupt nicht verändert. bis mir klar wird, dass das seine verquere art ist, mir ein kompliment zu machen.
die frage, die am ende bleibt, ist die, warum man eigentlich heiratet, wenn man das gefühl hat, danach sei alles vorbei.
gottseidank haben wir beide uns gehabt
zurück
was für ein unermessliches scheißgefühl das sein kann, in eine stadt einzufahren, mit dem zug, in der eine frühere liebe gewohnt hat. mistige kopfbahnhöfe, in die man immer gleich einfährt, egal woher man kommt.
du siehst den strahlenden frühlingstag draußen vor dem fenster und erinnerst dich an andere frühlingstage, die du hier verbracht hast. erinnerst dich an das schwindende glücklicksein. an diesen traurigsten tag, an dem du hals über kopf wieder wegfahren musstest, weil dir in der nacht zuvor diese entscheidenen frage gestellt wurde: liebst du mich eigentlich noch? und die einzige antwort, die nicht allesvernichtend war, die dir einfiel, war: ich weiß es nicht.
das ist alles her. ein jahr in zeit gemessen, eine kindheit in entwicklung gemessen. ein dicker kloß im hals, eine träne im augenwinkel. obwohl, obwohl, obwohl. obwohl es eine neue liebe gibt. obwohl ihr es geschafft habt, freunde zu sein. obwohl es eine gute entscheidung war. slightly verkatert; wie immer gefühlsverstärker nummer eins.